Bücher / Filme  

   

Aktuell / Info / Hilfe  

   

Login - Logout  

Bitte melden Sie sich an:

Oder registrieren Sie sich.

   

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

Tun, was wir vorher nicht getan haben. Das ist Mut. Meine Großmutter hat das vor langer Zeit gesagt. (Seite 226)

 

Cover: Der Treck der FrauenZum Inhalt

Im Jahre 1852 lebt Macy Bacon glücklich verheiratet in Wisconsin. Bis zu dem Tag, an dem ihr Mann verkündet, er habe die Farm verkauft und sie würden nach Oregon ziehen. Eine Welt bricht für sie zusammen. Gemeinsam mit etlichen anderen macht sie sich schweren Herzens auf den Weg ins Unbekannte. Noch nicht einmal die Hälfte der Strecke ist zurückgelegt, als die Frauen mit ihren Kindern auf sich alleine gestellt sind. Alle Männer sind gestorben und entlang des Weges begraben. Die Frauen müssen die schwere Entscheidung treffen, ob sie zurück oder weiterziehen wollen. Und wenn ja wohin. Californien oder Oregon. Aber können sie es überhaupt schaffen, ohne Männer, ohne Schmied? Der Aufbruch ins Gelobte Land droht im Desaster zu enden. Oder nicht? Die Frauen haben keine Wahl: wollen sie nicht sterben, müssen sie weiterziehen. In die eine oder die andere Richtung.

 

Zum historischen Hintergrund

Die Geschehnisse dieses Buches sind vermutlich weitgehend fiktiv, haben jedoch einen realen historischen Hintergrund: der Pionier Ezra Meeker schrieb 1852 in sein Tagebuch: „Ein Zwischenfall hat bei allen einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. Elf Planwagen kamen zurück und nicht ein einziger Mann war in dem ganzen Zug übrig geblieben. Alle waren gestorben und unterwegs begraben worden und die Frauen kehrten alleine zurück...“

 

Kommentar / Meine Meinung

„Von hundert, die auszogen, kehren vier zurück.“ So habe ich meine Rezi zur DVD „A Dead Mans Walk - Der Tödliche Weg nach Westen“, dem ersten Teil der Lonesome Dove-Saga zusammengefaßt. Nun, so hoch ist die Verlustquote hier in diesem Roman nicht, obwohl auch hier entlang des Weges viele neue zu den alten Gräbern hinzukommen werden.

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich in dem Buch so richtig „drinnen“ war, und ich weiß nicht mal so richtig, weshalb. Vielleicht lag es an der, so habe ich es empfunden, nicht ganz runden, teilweise etwas „abgehackten Erzählweise“, am Stil, an den ich mich erst gewöhnen mußte? Seltsamerweise fühlte ich mich stilistisch an Bücher von Thomas Jeier oder Robert J. Conley erinnert. Jetzt, als ich etwas über die Biographie von Jane Kirkpatrick las, wurde mir klas weshalb. Beide genannte Autoren vermitteln das Gefühl, irgendwo in der Prärie an einem Lagerfeuer zu sitzen und einer Erzählung zuzuhören. Ähnlich ging es mir hier, meine „Eingewöhnungsschwierigkeiten“ könnten daher stammen, daß es hier im Buch jedoch um Weiße, nicht Indianer geht. Wenngleich, was nicht vermeidbar ist, an einigen Stellen Indianer vorkommen.

Wer mit der Erwartung, das sei ein „christliches Buch“ zu lesen beginnt, dessen Erwartungen werden sich wohl nicht ganz erfüllen, denn das Thema Religion spielt zwar eine Rolle, aber - bedenkt man die Zeit 1852 - vermutlich genau die, welche es für die damaligen Menschen gespielt hat. Will sagen: drängt sich nicht auf, fällt nicht groß auf, wäre in einem „normalen“ Hollywoodwestern wohl ebenso (wenn ich beispielsweise an den "Yellowstone Kelly" denke, in dem Kelly seinen Begleiter Anse beten läßt, während er die Kugel aus Waleeahs Rücken schneidet).

Wer andererseits mit der Erwartung, einen „normalen, üblichen, richtigen“ Western zu bekommen ans Buch geht, wird ebenfalls eine Überraschung erleben. Sicher ist das ein Western, bedingt alleine durch die Zeit und die Handlung: ein Siedlertreck von Wisconsin auf dem Weg nach Westen. Daraus kann man ein sehr handlungsgetriebenes Buch machen, wie es vielleicht Charles G. West getan hätte, oder man legt den Fokus vor allem auf die menschliche Seite und die Probleme, die auf so einem weiten Weg entstehen. Wie es Jane Kirkpatrick getan hat.

Das Buch hat sich (nach der erwähnten „Eingewöhnungsphase“) leicht und flüssig lesen lassen. Es entwickelte einen Sog, so daß es mir schwer fiel, es aus der Hand zu legen. Figuren wie Handlung waren solcherart beschrieben, daß ein Kopfkino par excellence ablief. (Inwieweit da auch mein jahrelanges Westernfilmgucken mithalf, sei mal dahingestellt.) Nützlich gewesen wäre eine Personenliste (in der Originalausgabe enthalten) sowie eine Landkarte. Inwieweit es geschickt ist, die Hintergrundinformationen über einzelne Figuren wie Puzzleteilchen über den ganzen Roman zu verteilen, möchte ich hier jetzt nicht diskutieren. Ich hätte „größere Puzzleteile“ bzw. eine zusammenhängende Erzählung zu jeder Person bevorzugt, aber das mag persönliche Vorliebe sein. Indem man über weite Strecken beispielsweise nicht weiß, was mit Ruths Vergangenheit eigentlich ist, wird andererseits auch der Spannungsbogen gehalten.

Die Figuren handeln für meine Begriffe weitgehend in sich schlüssig und der damaligen Zeit angemessen; gehen also nicht mit unserem Wissen an die Dinge heran, sondern mit den Möglichkeiten, die ihnen die Welt um 1852 bietet. Dabei habe ich so nebenbei auch einiges zum Thema, wie es war, mit so einem Planwagen durch die Gegend zu fahren, gelernt. Beispielsweise, daß es zum Radbruch kommen konnte, wenn zu lange Trockenheit herrschte, das Holz austrocknete und der Radreifen nicht mehr paßte. Es wird deutlich, daß Dinge wie Schuld und Vergebung, Vertrauen, Verlust, das Alte hinter sich lassen oder Zukunftsängste wohl schon immer die Begleiter des Menschen waren. In der Extremsituation eines Wagentrecks, auf sich alleine gestellt, müssen die Frauen mit sich, den anderen, ihrer Welt, ihrer Zukunft zurechtkommen. Das ist, hat man sich auf den Stil eingelassen, meines Erachtens überzeugend und nachvollziehbar dargestellt. (Einzig, daß Mazy sich so relativ schnell in den Willen ihres Mannes gefügt hat, hat mich etwas gewundert.) Und behandelt Probleme, die auch uns heutigen durchaus nicht fremd sind.

 

Kurzfassung

Nach dem Tod ihrer Männer auf sich gestellt, muß eine Gruppe von Frauen alleine weiterziehen. Eine realitätsnah beschriebene Reise mit einem Wagentreck auf dem Oregon Trail des Jahres 1852.

 

Interessiert Sie das Buch? Wollen Sie es selbst lesen? Sie können es (sofern lieferbar) >hier im Gregor-Versand-Shop sofort bestellen < !

 

Bibliographische Angaben

Aus dem Amerikanischen von: Eva Weyandt
496 Seiten, kartoniert; Verlag: Verlag der Francke Buchhandlung GmbH, Marburg 2011 (dt. Erstauflage 2004)

Sie haben leider keine Rechte, um einen Kommentar zu schreiben